Charreada und Charros


Seit dem die ersten Pferde, im Stoßtrupp von Hernán Cortes Mexikanischen Boden betraten, wurden sie und ihre Reiter zu einen entscheidenen Element in der mexikanischen Geschichte.
Wahrscheinlich wäre ohne sie, das Aztekenreich in nicht so kurzer Zeit untergegangen aber die Pferde waren auch treue Gefährten und Kämpfer, der mexikanischen Revolutionäre; ein Emilio Zapata oder ein Pancho Villa ohne Pferd - kaum vorstellbar.
Das Pferd bedeutete Macht und Ansehen und deshalb wurde den Indianern und Mestizen, in den ersten Jahrzehnten nach der Eroberung verboten, eines zu besitzen oder gar zu reiten.


Das Gesetz wurde aber schon bald konsequent ignoriert und unterlaufen, zum einen, weil die Söhne indianischer Mütter und spanischer Väter nicht einsahen, warum ihnen was verwehrt wurde, was ihre Väter durften und zum anderen, da bedingt durch die Größe des Landes, bei der Viehhaltung Pferde unabdingbar waren.
Es reichte nicht, wenn der Haciendabesitzer ein Pferd reiten konnten, auch seine Arbeiter (überwiegend Mestizen) mußten reiten können.
Nachdem sich auf Seiten der Indianern und Mestizen, die anfängliche Scheu vor diesen bisher unbekannten Tier gelegt hatte, wurden sie zu begierigen Schülern und anschließend zu Meister in der Kunst des Reiten.

In den Landesteilen mit weiten Ebenen, verbreitete sich schnell eine ausgedehnte Viehhaltung. Die Tiere verwilderten sich bald und breiteten sich oft über die Grenzen der Haciendas hinaus.
Dies machte es nötig, daß fähige Männer sie auf dem Pferd verfolgten, zusammen trieben und sie zu einen Platz brachten, den sie "Rodeo" nannten. Auf diesen Platz wurden sie sortiert und Jungtiere wurden mit den Brandeisen der Hacienda markiert.

Zu ihrer Arbeit gehörte nicht nur das Brandmarken der Rinder, sondern auch die Sortierung der eingefangenen Wildpferde in potentielle Zug-, Last- und Reittiere.
Mit der Zeit entwickelten sich die regelmäßig, standfindenden Zu- sammentriebe zu einen gesellschaftlichen Ereignis für Haciendabesitzer und Viehtreibern. Es wurde nicht nur gearbeitet sondern es fanden auch regelrechte "Fiestas" statt.
Auf dem Rodeoplatz entwickelten sich Gruppen, deren Ziel es nicht nur war, die Arbeit zu machen, sondern auch schneller und geschickter zu sein als alle anderen.
Dies waren die Anfänge der späteren Charreadas und sie fanden zuerst nur auf dem Land und nur zur Zeit des Viehtriebes statt.


Im 16, 17 und 18 Jahrhundert entstanden unzählige Haciendas, die zum Teil bis in das 19. Jahrhundert bestanden.
Ein Großteil der Haciendas verschwand aber während und nach der mexikanischen Revolution.
Unzählige Haciendabesitzer wurden enteignet, das Weideland an mittellose Bauern verteilt oder mußten in der Zeit der Weltwirtschaftskrise aufgegeben werden, da sie unrentabel wurden.
Viele der ehemaligen Vorarbeiter, Viehtreiber und Stallburschen der Haciendas zog es in der Städte, wo sie andere Arbeit fanden.
Nur das sie dort immer noch mit einer Nostalgie in ihren Herzen, den alten Zeiten auf der Hacienda und den jährlich stattfindenden Wettkämpfen während des Viehtriebes nachtrauerten.
So kam es, daß sie sich in sogenannten Asociaciones de Charro versammelten und die Wettkämpfe organisiert weiterpflegten.
Diese Charrovereinigungen, veranstalteten sogenannte "Charreadas" ein nicht nur von der Einheimischen Bevölkerung gern gesehendes Spektakel, die sich in den letzten Jahrzehnten zu einen regelrechten Nationalsport entwickelten.

Der Wettkampfplatz besteht aus einem "lienzo" einer 12 x 60 Meter langen Laufstrecke und einer Arena mit mind. 40 Meter Durchmesser.

Die Charreada beginnt mit einer Parade der antretenden Mannschaften in Begleitung der berittenen Frauengruppe.
Beim Einritt in die Arena wird auch die mexikanische Nationalflagge von einem Reiter gehalten und alle anwesenden geben ihr, während der Er- öffnungszeremonie die Ehre.
Nach dem sich die gesamte Mannschaft vorgestellt hat, verschwindet der größte Teil wieder in den Hintergrund und es stellen sich die Charros auf, für die erste Vorführung auf.
Alle Vorführungen werden gepunktet und die Mannschaft mit der höchsten Punktzahl geht als Sieger heraus. Es werden aber auch Punkte gesammelt, da nicht nur an einen Tag sondern das ganze Jahr über Charreadas statt finden.



La Cala de Caballo

Bei dieser Disziplin zeigt man dem Publikum, wie gut das Pferd den Anweisungen des Reiters gehorcht. Mal mit und mal ohne Zügelführung müssen die Pferde einen Pakur durchschreiten, in den Trapp, in den Galopp und wieder in den Stand gebracht werden. Besonders beklatscht ist die Vorführung, in der das Pferd im vollen Galopp durch die "lienzo" in die Arena rennt, um an einen bestimmten Punkt abrupt zum stehen gebracht zu werden. Dabei entsteht eine regelrechte Staubwolke hinter der Reiter und Pferd fast verschwinden. Anschließend muß das Pferd rückwärts zum Startpunkt zurück gehen. Von dort aus geht es wieder zurück in die Arena und es folgt eine Übung, die sich "dar los lados" nennt, bei der das Pferd einige male in die eine, dann in die andere Richtung seitlich trappt.


Pialar

Bei "Pialar" muß man die Hinterläufe des Tieres mit dem Lasso einfangen, ohne das Tier zu Seite zu reißen. Ziel ist es, mit dem Lasso dem Tier lediglich die Geschwindigkeit zu nehmen und es zu stehen zu bringen.
In den offiziellen Wettkämpfen ist jeweils nur ein "Pialador" zugelassen; hingegen bei "Freundschafts" Wettkämpfenen werden bis zu drei "Pialadores" zugelassen. Jeder hat drei Versuche frei und tauscht dabei jeweils seine Position innerhalb der Arena.
Sollte das Seil reißen, was äußerst selten vor kommt, wird der Versuch nicht gezählt. Wird aber das Seil losgelassen, weil das Pferd zu heftig zieht, hat der Lassowerfer den Versuch verloren.
Die Art, wie der Lassowerfer das Seil schwingt ist unterschiedlich und wird auch entsprechend des Schwierigkeitsgrades unterschiedlich hoch gewertet. Letztendlich ist aber immer entscheidend, daß der das Tier ausschließlich an den beiden Hinterläufen mit dem Lasso zu fangen kriegt.


El Coleadero

Diese Vorführung gehört zu den schwierigsten und spektakulärsten Vorführungen während der Charreada. Sie entstand mehr als Zufall, als aus einer Absicht heraus.
Man erzählt sich, daß auf einer Hacienda einer der Viehtreiber in Rage geriet, als er sah, wie eines der mühsam eingesammelten Tiere, sich wieder von der Herde entfernte. Daraufhin schwang er sich auf ein Pferd und riet im wilden Galopp dem Rind hinterher, ergriff es am Schwanz und warf es zur Seite auf dem Boden.
Als das Tier benommen wieder auf die Hufe kam, schritt es lammfromm wieder zur Herde zurück. Die anderen Viehtreiber amüsierten sich königlich und beschlossen, diese Art des "Viehfangs" bei ihren jährlichen Zusammenkünften zu wiederholen.
Bei den Charreadas gibt es je Mannschaft drei bis fünf dieser "Coleadores". Jeder hat drei Versuche frei. Die höchste Punktzahl erhalten die Würfe, die innerhalb der kürzesten Strecke erbracht werden. Alle Würfe die außerhalb einer bestimmten Markierung gemacht wurden, werden annulliert.
Der Werfer, "Coleadores" wartet seinen Turnus ab, den er mit einen Gruß an der Hutkrempe des Sombreros beginnt. Im wilden Galopp verfolgt er das Tier, in dem Moment wenn er ungefähr mit den Beinen in der Höhe des Rindes ist, bückt sich der Charro, ergreift den Schwanz, bindet diesen mit einem Schwung um Steigeisen und Stiefel, um anschließend mit einer heftigen Bremsung des Pferdes, das Tier zu Boden zu reißen.


Jineteada de Toro und Terna

Diese zwei Vorführungen werden hintereinander gezeigt. Sie beginnt mit dem Ritt auf einen wilden Stier. Der Reiter hat maximal vier Minuten Zeit auf das Tier auf zu sitzen und eine gewissen Zeit auf ihm zu bleiben.
Hierzu wird das Tier in einem engen Gatter, das an die Arena anschließt mit Seilen gehalten. Der Reiter darf sich nur an dem Seil festhalten, daß um den Stier geschlungen ist. In den Moment, wenn er auf ihn zum sitzen kommt, wird das Gatter geöffnet.
An den Ritt auf dem Stier schließt sich die "Terna" an, hierbei haben drei Charros maximal acht Minuten Zeit, den Stier mit dem Lasso einzufangen, zu binden und wieder von den Fesseln zu lösen.
Zuerst versucht man das Lasso um den Kopf oder um die Hörner zu bekommen, anschließend versucht man ihn an den Hinterläufen zu bekommen, damit er zu Boden fällt, wo er dann an den Beinen gefesselt werden kann. Nachdem die Fesseln ordnungsgemäß sitzen, müssen sie auch sofort wieder gelöst werden, erst dann ist die Vorführung abgeschlossen und es wird gepunktet.



Jineteo de Yeguas

In den Vereinigten Staaten werden Wildpferde als Mustangs bezeichnet, während sie in Mexiko und in Südamerika als Yeguas bekannt sind.
Wärend der Charreada werden wilde Stuten nicht nur mit dem Lasso gefangen, sondern auch geritten.
Bei dieser Vorführung, die man als "Jineteo de Yeguas" bezeichnet hat der Reiter maximal vier Minuten Zeit, innerhalb er Absperrung aufzusitzen und in der Arena auf dem Pferd sitzen zu bleiben.
Die Regeln sind gleich, wie beim Ritt auf dem Stier. Er darf sich nur an dem Seil, das um das Pferd geschlungen ist festhalten. Auch wärend er auf innerhalb der Absperrung versucht auf dem Pferd aufzusitzen, darf er sich nicht am Zaun halten, sondern nur am Pferd selbst oder dem Seil.
Die Vorführung auf dem Wildpferd ist nicht mindergefährlich, als die auf dem Stier und auch hier holen sich viele Charros nicht nur blaue Flecken.



Manganas

Für diese Vorführung stehen dem Charro, drei Helfer und drei Versuche zur Verfügung. Innerhalb von 8 Minuten muß er ein Pferd, nur an der Vorderläufen, mit dem Lasso fangen. Der Fänger stellt sich in 4 Meter Entfernung vom Gatter entfernt auf und seine drei Helfer treiben das Pferd in die richtige Position, damit er es mit dem Lasso fangen kann. Er muß beide Vorderläufe gleichzeitig mit dem Lasso fangen. Der Versuch wird gezählt, in dem Moment, wenn er anfängt das Lasso zu schwingen, dann muß er es werfen oder er verliert den Versuch.


El Paso de la Muerte

Diese Vorführung zählt mit dem Wurf des Stieres am Schwanz zu den gefährlichen Kunststücken. Ein Reiter hat drei Versuche frei, von seinem gesattelten Pferd, während des Galopps auf ein ungezäumtes Wildpferd umzusteigen.
Ihm stehen drei Gehilfen zu Verfügung, die dafür sorgen, daß das Wildpferd in die richtige Position zum Charro kommt, damit er es besteigen kann. Wenn er einmal drauf sitzt darf er sich nur an der Mähne des Tiere festhalten und er muß möglichst so lange drauf bleiben bis sich das Tier halbwegs beruhigt und zum stehen kommt.




La Escaramuza

Im Jahre 1953 formatierte sich auf der "Rancho del Charro" in Mexiko Stadt, die "Escaramurza". Dabei handelt es sich um eine Art von "berittenes Damenballett" in der Tracht der "Adelita". Sie reiten, unter musikalischer Untermalung Quadrillen in Gruppen bis zu 20 Reiterinnen.
Die Vorführungen der Damenmanschaften erfreuen sich heutzutage, wachsender Beliebtheit beim Publikum und es gibt auch, wie bei den Männern regelrechte Wettkämpfe zwischen den verschiedenen Vereinigungen.
Im Damensattel demonstrieren die Reiterinnen ihre Reitkunst in besonderen Vorführungen. Wer einmal versucht hat sich in einen Damensattel auf einen Pferd zu halten, kann nachvollziehen, was für ein Talent und Ausdauer es bedarf die unterschiedlichen Übungen zu absolvieren.


Die "Fiesta de Charro" hat seinen krönenden Abschluß mit dem Tanz der "Jarabe Tapatio". Einen Tanz der aus Jalisco stammt und für alle Menschen der Inbegriff des mexikanischen Folkloretanzes wurde. Er wird vorgeführt von einem Charro und einer Frau in der Tracht der "China Poblana".

Charrotracht