Die Legende der "China Poblana"
Die Geschichte der "China Poblana" begab sich zu einer Zeit, in der Wunder und Visionen zur Tagesordnung gehörten und so verschwamm das wahre Leben dieser jungen Frau zwischen Phantasie und Realität.
Im Jahre 1621 beauftragte der Marquis de Gelves, der in Mexiko lebte die Händler die mit ihren Frachtschiffen zwischen Acapulco und Manila verkehrten, ihn eine junge Asiatin zu besorgen. Zu dieser Zeit war es durchaus üblich, sein Dienstpersonal aus Sklaven zu rekrutieren. Neben schwarzen und indianischen Sklaven galten Sklaven aus Asien als ein ganz besondere exotische und kostspieliges Statussymbol. Ähnlich wie in Europa der Kauf eines Papageien oder eines kleinen Affen für einen privaten Wintergarten.
Einer dieser Händler brachte nun eines Tages ein etwa 12 jähriges Mädchen mit nach Acapulco. Er verkaufte sie aber nicht, wie vereinbart an den Grafen sondern an einen reichen Kapitän, der ihn die zehnfache Summe bezahlte, die der Graf bereit gewesen war für sie zu bezahlen. Bei diesen Kapitän handelte es sich um Miguel de Sosa, verheiratet mit Margarita de Chávez die in Puebla lebte. Die Ehe der beiden war Kinderlos und so wurde die junge Sklavin nicht als ein Dienstmädchen aufgenommen, sondern wie eine Art Ziehtochter.
Die Kleine ("Chinita") hieß Mirra und war als Prinzessin, wahrscheinlich in der Mongolei oder im Norden Indiens, um das Jahr 1609 zur Welt gekommen. Obwohl sie "china" gerufen wurde, heißt das nicht, das sie aus China stammte, den in vielen Ländern Lateinamerikas ist es üblich kleine und junge Mädchen als "China" oder "chinita" zu bezeichnen.
Als Mirra ungefähr zehn Jahre alt war, mußten ihre Eltern, aus was für Gründen auch immer ihre Heimat verlassen und zogen in eine Küstenstadt, die damals von den Portugiesen besetzt war (vermutlich Goa).
Eines Tages wurde dieser Ort von Piraten überfallen und das Mädchen verschleppt. Man nahm ihr die kostbaren Kleider und den Schmuck weg und sperrte sie, mit anderen Gefangenen in den Frachtraum, von wo aus sie später in die Sklaverei verkauft werden sollte.
Als die Piraten mit ihren Schiffen nach "Cochin", einen Bundesstaat im Süden Indiens kamen, gelang es ihr vom Schiff zu flüchten und in einer Mission von Jesuiten unterzutauchen. Dort wurde sie zum Christentum bekehrt und auf den Namen Catarina de San Juan getauft.
Wahrscheinlich lebte sie ein-zwei Jahren in der Mission, bis auch diese von Piraten überfallen wurde und sie zum wiederholten male verschleppt und letztendlich in Manila an den Händler aus "Nueva Espaņa" verkauft wurde.
Das Ehepaar Sosa zogen sie auf, fast wie eine Tochter - doch versäumten sie es, sie offiziell zu adoptieren und so blieb sie rechtlich eine Sklavin und nicht als ein Familienmitglied, was später noch unangenehme Folgen für sie haben sollte.
Sie lernte Spanisch, kochte für ihre Zieheltern, war geschickt in jeglicher Handarbeit aber sie lernte nie richtig lesen und schreiben. Wenn sie auf die Straße des Ortes ging, erregte sie nicht nur wegen ihrer exotischen Schönheit aufsehen, sondern auch wegen ihrer Kleidung die sie benutzte.
Vermutlich trug sie einen Sari und einen breiten Seidenschal, den sie über den Kopf zog oder auf unterschiedlichster Art und Weise um Hals und Schultern legte.
Durch ihre liebenswerte Art und alleine wie sie mit den Leuten umging wurde sie zu einer beliebten und geachtete Persönlichkeit in Puebla.
Sie erfreute sich nicht nur großer Wertschätzung unter den Bürgern der Stadt, sondern auch bei den Geistlichen und Ordensleuten des Stadt, da sie als sehr glaubensstark und gütig galt.
Drei Jahre nachdem sie zu den Sosas ins Haus kam, im Dezember des Jahres 1624 starb Miguel Sosa ganz überraschend. Er hatte ihr mittlerweile schon die Freiheit geschenkt aber da sie nie offiziell von ihn adoptiert wurde, blieb sie plötzlich ohne einen einzigen Peso auf der Straße. Zur damaligen Zeit war eine Frau, egal Ehefrau, Tochter, Ziehtochter oder Schwester ziemlich rechtlos, wenn sie nicht der Ehemann, Vater usw. sie in einen Testament rechtlich und finanziell Abgesichert hatte.
Mirra war frei aber sie stand da, ohne eigenes Vermögen und Absicherung. Ein Geistlicher namens Pedro Suárez erinnerte sich ihrer und nahm sie in einen Orden auf. -
Obwohl sie von da an das Leben einer Nonne führte, sie lebte in Demut und Askese und heiratete auch nie, nahm sie nie das Gewand einer Ordensfrau an. Sie trug weiterhin ihren indischen Sari und das Schulter- und Kopftuch.
Man berichtete, daß sie mystische Versionen hatte und das ihr Jesus als Kind sowie Engel erschienen wären. Ihre Ratschläge, Versionen und Prophezeiungen wurden von Bürgern und Geistlichen Pueblas angenommen und geschätzt.
Als sie am 5. Januar 1688 starb wurde sie fast wie eine Heilige verehrt. Heute erinnert in der Kirche "Compaņía de Jesús" eine Gedenkplatte an sie.
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