Karneval in Mexiko
Karneval wird in
Mexiko in vielen Orten gefeiert aber am berühmtesten sind die Feiern und Paraden von und seit einigen Jahren auch von der Insel Cozumel. In Mazátlan, Veracruz und Yucatan, in den Orten an der Küste hat sich in den letzten Jahren ein Karneval entwickelt, der mit seinen Musik und Tanzgruppen, sich an das große Vorbild Rio de Janeiro anlehnt.
Mazatlán
Die Karnevalsumzüge von Mazatlán gelten als die größten im Lande. So zog es allein im letzten Jahr fast 45.000 Zuschauern an den Straßenrand als die Umzüge durch die Stadt gingen. Dabei finden neben Umzügen in der Nacht (ab 18:00 Uhr) auch spezielle für Kinder statt. Es gibt Umzüge am Samstag, Sonntag und Dienstag.
Der Dienstagumzug "Martes de Carneval" (ab 15:00 Uhr) wird am größten gefeiert. Fast 1000 Tänzer, Musikgruppen und zahlreiche Umzugswagen ziehen dann durch die Straßen von Mazatlán. Die ersten offiziellen Umzüge, mit Themenwagen fanden im Jahre 1898 und ab 1962 wurden auch Nacht-Paraden veranstaltet. Vor und während der Karnevalstage finden zahlreiche Wahlen statt. Allgemein sind sogenannte Misswahlen äußerst populär in Mexiko und werden immer gern im Fernsehen übertragen.
So wählt man für die Karnevalstage eine "Miss Karneval", ein "Kinderprinzenpaar" und einen "rey de alegria" einen "König der Freude". Krönender Abschluß der Straßenumzüge ist ein gewaltiges Feuerwerk, daß die begeisterten Karnevalfans noch bis spät in die Nacht auf den Straßen und Plätze der Stadt ausharren läßt. Mehr dazu kann man auf der offiziellen Karnevals-Homepage von Mazatlán nachlesen. Daneben findet man hier auch interessante schwarz-weiß Fotos über den Karneval von Anfang des vergangenen Jahrhunderts.
Veracruz
In Veracruz wird seit Ende des 19. Jahrhunderts kräftig Karneval gefeiert. Im Jahre 1866 tauchten, zur Zeit der Herrschaft Kaisers Maximilian (Habsburger und Sohn, der legendären Sissi), die ersten kostümierten Jarochos, wie man die Menschen von dort nennt auf. Zuerst wurde nur in geschlossener Gesellschaft, in Ballsälen und Theatern gefeiert aber schon bald fand der Karneval seinen Weg auf die Straße und zum ganzen Volk.
Im Jahre 1925 wurden die ersten offiziellen Festtagskomitees gegründet und im Jahr darauf der erste Karnevalsprinz, damals noch "Rey Feo" der häßliche Prinz gekürt. Sehr stark wurde der Karneval in Veracruz, durch Kuba und Brasilien beeinflußt. Tänze wie Merenque, Salsa und Samba sind die typischen Karnevalsbegleiter. Trotzdem haben sich typische mexikanische -vercruzianische- Kostüme, Rhythmen und Tänze bis heute erhalten. Auch hier finden, wie in Mazatlán von Samstag bis Dienstag Umzüge bei Tag und bei Nacht statt. In der Nacht verwandelt sich der Zocalo, nahe den Hafen in eine einzige Tanzbühne, die bis in den frühen morgen zu beben scheint.
Merida
Aus verschieden Quellen weiß man, daß in der Provinz Yucatan der Karneval schon im 16. Jahrhundert seinen Einzug fand. Der lebenslustige Gouverneur Guillén de las Casas (1578-1582) inizierte die ersten "Fiestas" mit Tanz und Maskerade, damit sich die Menschen vor der Fastenzeit (Carne Vai = Ohne Fleisch) nochmal richtig austoben konnten.
Auch wird ein gewisser "Don Luis de Céspedes y Oviedo" vom Historiker "Jerónimo del Castillo" (1804-1866) für den Einzug des Karnevals in Merida verantwortlich gemacht. Dieser "Capitán General" der 1571 für die Halbinsel verantwortlich war, galt bei vielen seiner Zeitgenossen als übertrieben zugetan der Gaudi und dem Zechgelage. Im 18. Jahrhundert, wurde der Karnevalssonntag und -Dienstag mit großen Pomp in den Festsälen des Goveneurs "de Lucas de Gálvez" gefeiert. Von diesen Feiern, war "natürlich" das einfache Volk ausgeschlossen aber auch die Mittelklasse machte bald mit eigenen Kostümfesten mit.
Im Jahre 1834 beschreibt ein gewisser Baron von Waldeck, in seinen Reisebericht den Karneval in Merida, als ein überaus ausgelassenes Fest bei den die Menschen aller sozialer Schichten, maskiert überall auf den Straßen und Plätzen der Stadt tanzten. Die Tage an denen gefeiert wurde erweiterten sich im 19. Jahrhundert von 3 auf 5 Tage und wie bei uns die "Nubbelverbrennung", war es war üblich, in der letzten Nacht einen gewissen "Juan Carnaval" zu grabe zu tragen.
Durch die im 19. Jahrhundert überaus lukrative Sisal-Industrie und den dadurch bedingten Reichtum der Küstenstädte entfaltete sich auch der Karneval in einen zuvor unbekannten Ausmaß. In den "Goldenen Jahren" 1889 bis 1929 wurden die Feste dermaßen prächtig gestaltet, daß man ihn im gleichen Atemzug mit dem von New Orleans nannte; der von Rio war total unbedeutend dagegen.
Die ausgelassenen "Scherze" der Bevölkerung nahmen einen derartiges Ausmaß an, daß im Jahre 1903, den Karnevalisten verboten wurde weiter mit Eiern, Bohnen, Reis und Mehl, sowie eingefärbten Wasser usw. zu werfen. Auch wurden Umzugswagen die Religion oder Politik karikierten nicht zugelassen. Erst in den letzten 10 Jahren sieht man solche Umzugswagen ab und zu wieder. Das diesjährige Programm und weitere Information über den Karneval in Yucatan findet man auf der Homepage der Zeitschrift "Diario Yucatan"und der Stadt Merida.
Cozumel und Cancun
Da die Tourismuszentren Cancun und auf Cozumel erst in den letzten Jahrzehnten entstanden ist auch der Karneval ziemlich neu in diesen Gebiet. Trotzdem haben sich die Umzüge der letzten Jahre zu einen wahren Augenschmaus für die einheimischen und ausländischen Zuschauern gemausert. In Cozumel finden auch dieses Jahr Umzüge am Samstag, Sonntag und Dienstag statt. Am besten erkundigt man sich im örtlichen Touristen-Info über Uhrzeit und Weg der einzelnen Paraden.
Tlaxcala
Traditionell und mit etwas mehr religiösen Hintergrund findet er in Tlaxcala statt. Tlaxcala am Fuße des Vulkanes Malinche, liegt östlich von Mexiko Stadt und ist vom Terminal TAPO in 1 ½ Stunden bequem mit dem Bus zu erreichen. Die kleine koloniale Stadt ist ein erholsamer Kontrast zu Mexiko Stadt und Puebla und so kommen besonders an den Wochenenden viele mexikanische Touristen in die Stadt.
Neben einer äußerst schönen barocken Wallfahrtskirche, einen Regionalmuseum und einen Konvent kann man im Südwesten der Stadt eine der bemerkenswertesten archäologischen Stätten bewundern. In den Ausgrabungen des prähispanische Zeremonienzentrum "Cacaxtla" kann man die best erhaltensten und farbigsten Wandfresken Mittelamerikas bewundern.
Hier findet jährlich ein Karneval statt, der sich wesentlich zu den an der Küste unterscheidet. Während des 17. und 18. Jahrhunderts, als es noch zahlreichen Haciendas mit meist französisch- und spanischstämmigen Besitzern rund um die Stadt gab, entwickelten sich die ersten Feste, die man als Ursprung der heutigen Karnevalsfeiern zählen kann.
Die Diener und Arbeiter der Haciendabesitzer verkleideten sich als ihre Herren und karikierten sie, dabei trugen die meist indianischstämmigen Einwohner Masken, wie man sie noch heute in den Gruppen der Tänzern in Karneval wiederfindet. Die Masken wurden und werden aus Holz geschnitzt und hatten Bärte, blaue oder grüne Augen und sogar zum Teil bewegliche Augenlieder. Die Gruppen aus Tlaxcala und den umliegenden Dörfern konkurrieren während des Karnevalumzuges mit ihren prächtigen Kostümen und begeistern, die Zuschauern mit ihren zum Teil skurrilen Tänzen und Scherzen.