Die Mexikanische Pastorela
Die Ursprünge der Pastorela reichen bis in die Zeit des Mittelalters zurück, als in Spanien sogenannte Auto-Sakramental sehr populär waren. Dabei handelte es sich, um Theaterstücke mit starken religiösen Hintergrund, die wiederum ihre Wurzeln in den Passionsspielen, zu Fronleichnam haben.
Im Jahre 1572 kamen die ersten Jesuiten nach Nueva España, wie Mexiko damals hieß und begannen mit der Missionierung der indianischen Urbevölkerung. Da es in der Náhuatl-Kultur schon eine Art Theatertradition gab, führten sie diese in gewisser Weise fort, um ihre religiösen Botschaften an die indianische Urbevölkerung nahe zu bringen. Da diverse Themen der Bibel aufgeführt wurde, konnte man noch nicht von einer typischen mexikanischem Pastorela sprechen - es war vielmehr ein ausdrucksvolles Volkstheater mit religiösen Inhalten.
Inhalt einer typischen Pastorela ist die Konfrontation Gut gegen Böse, dargestellt durch die sieben Teufel, die wiederum die sieben Todsünden (Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit, Habgier, Völlerei und Wollust) darstellen und dem Erzengel Gabriel. Die sieben Teufel versuchen durch alle möglichen Fallen und Tricks, die Hirten zu ihren jeweiligen Laster zu verführen und sie vom rechten Weg (dem Weg nach Betlehelm) ab zu bringen. Am Schluß sieht das Gute über dem Bösen und die Hirten kommen in Betlehelm an und huldigen dem Jesuskind.
Hinweis auf eine typische mexikanische Pastorela kann man gegen Ende des 16. Jahrhunderts finden. Insbesondere in Bundesstaaten in denen es besonders viele Jesuitenorden gab (z.B. Puebla, Querétaro, Guanajuato und Jalisco), wurden in den Wochen vor Weihnachten Pastorelas auf Plätzen und Straßen aufgeführt. Pastorelas fanden besonders viel Zuspruch in ländlichen Regionen, wo sie im Laufe der ersten Jahren ihren Weg, raus aus den Atrios der Kirchen und Klöster ihren Weg auf die Straßen und Plätze der Dörfer fanden, wo sie typische Sitten, Trachten, Lieder und Gebräuche der jeweiligen Region mit aufnahmen.
Heute kennt man drei verschiedene Varianten von Pastorelas in
Mexiko:
Die kirchliche Pastorela, die noch am stärksten ihre religiöse Botschaft an das Publikum konserviert hat. Die Sprache ist zwar rauh aber nicht frivol oder sozialkritisch. Aufgeführt wird sie in Kirchen und Klöster, in ländlichen Orten und in Historischen Stadtteilen. Die Hirten in diesen Aufführungen sprechen ihre eigene zum Teil derbe und naive Sprache und es kommt dadurch oft zu einer unfreiwilligen Komik.
Die volkstümliche Pastorelas der Stadtteile und Nachbarschaft finden auf Plätzen, in Gemeindehäuser und Museen statt. Die Sprache ist derb, ironisch und enthält viele sexuelle Anspielungen. Einen starken Einfluß auf Handlungen und Dialoge der volkstümliche Pastorela nahm die mexikanische Revolution 1910, in der das Selbstbewußtsein von Arbeitern und Bauern einen starken Wandel unterlag. So kamen im letzten Jahrhundert, vermehrt sozial-politische und aktuelle Themen in einer Pastorela zur Sprache.
Die erste theatralische Pastorela schrieb José Joaquin Fernández de Lizardi, der Anfang des 19. Jahrhunderts das Stück "La noche más venturosa" (1821) auf die Bühne brachte. Dieses Stück war die erste Pastorela, die auf einer Theaterbühne von professionellen Schauspielern und nicht mehr von Laien in Umgangssprache aufgeführt wurde. Aus dem größtenteils mundüberlieferten Volkstheater entwickelte sich ein klassisches Theaterstück. Wenn man von Anfang Dezember bis Anfang Januar einen Blick in das Programm von diversen mexikanischen Theatern wirft, so wird man sicher auf dieses Stück treffen. Auch wegen der Musik und den Tänzen lohnt sich ein besuch.
Das Restaurant des Ex Convento de Tepotzotlán richtet seit 1964, die alljährlichen traditionellen Pastorelas aus. Eine Pastorela mit ganz außergewöhnlichen Ausmaßen; angefangen von der eigentlichen Aufführung, in der neben 10 professionellen Schauspieler auch 50 Laienschauspieler aus dem Ort Tepotzotlán teilnehmen bis hin zu einen Essen mit typischen mexikanischen Gerichten. Vom 14 bis 23 . Dezember, jeweils ab 20:00 Uhr findet diese Veranstaltung im Patio des Antiguo Seminario de San Francisco Javier, heute Museo Nacional del Virreinato statt.
Das Programm beginnt mit der traditionellen Poche (eine heiße Tee-Sirupmischung mit Früchten), gefolgt von einen Gesangswettbewerb, die eigentliche Pastorela, die Letani der Pastorela, einer Prozession durch das Dorf, einen großen Lagerfeuer, Piñata-Schlagen, dem Abendessen und einen abschließenden Feuerwerk. Dies alles wird begleitet von Musik (div. Musikgruppen, Mariachi und Solokünstlern) und Tanzaufführungen - insgesamt 150 Akteure begeistern die Gäste jeder allabendlichen Pastorela.
Das typische mexikanische Essen besteht aus einer Pozole (Dicke Maissuppe mit viel Fleisch), den Pambazos (Schnittchen) , den Tamales (Maispaste mit Fleisch in Maisblättern), den Buñuelos (süßes Fettgebäck), verschiedene typische mexikanische Süßigkeiten, den Champurrado (Aufgeschäumte süße Atole, Maisstärkegetränk) und Café de olla (heißen Kaffee) usw.
Wer in den Wochen vor Weihnachten, in Mexiko Stadt ist sollte mal einen Blick in die Zeitschrift "Tiempo Libre" werfen. In dieser Zeitschrift kann man sehen, wo und wann es eine Pastorela gibt. Besonders schön ist die Pastorela im Ex-Convento del Carmen, heute das Museo del Carmen (Ave. Revolución No.4), in San Angel. Der Autor und Direktor der Pastorela Rafael Pardo führt eine mittlerweile schon 15 Jährige Tradition fort.
Ab Mitte Dezember finden im Innenhof des ehemaligen Klosters eine Aufführung statt. Für den Eintritt bekommt man einen Becher mit heißer Ponche (eine heiße Tee-Sirupmischung mit Früchten), sowie eine kleine Kerze für den abschließenden Rundgang durch die Gänge des Klosters.
Da die Aufführung, genauso wie in Tepotzptlán draußen stattfindet und es Nachts, im Dezember ziemlich kalt werden kann empfiehlt es sich eine dicke Jacke dabei zu haben. Vor der Bühne gibt es für ungefähr 120 Personen Sitzplätze. Die Aufführung wird durch einen Mönch, der eine Glocke schwingt eingeleitet. Begleitet von einer Gruppe von Musikern, die jeweils Musikstücke aus Veracruz, Guerrero und Jalisco spielen treten die Hirten (los pastores) ein. Bei den Hirten handelt es sich um ein ziemlich wüsten und arg rüpelhaften Haufen, die alle kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie einmal anfangen zu lästern. Nachdem das Publikum, die Hirten kennen gelernt haben verlassen diese, von einer Musikkapelle begleitet die Bühne. Mit einen gewaltige Paukenschlag und Feuerwerk erscheint der erste der sieben Teufel.
Sieben Teufel, entsprechend der sieben Todsünden treten nacheinander auf und stellen ihr Laster vor und alle haben die besten Ambitionen die Menschen mit ihren "Lastern zu beglücken". In den folgenden Szenen (immer wieder mit Musik begleitet) sieht man die Hirten und ihre Familien (Frauen und Kinder), wie sie ihren Alltag leben und wie sie jeweils von einen der Teufel in Versuchung geführt werden. Doch bevor das Volk vollends von den Teufeln überrumpelt wird, erscheint der Erzengel Gabriel mit einem goldenen Schwert und ruft zum Wettkampf gegen die Teufel auf. Das kleine Völkchen versammelt sich und mit Unterstützung des Erzengels schaffen sie es, in einen Wettkampf die sieben Teufel zu besiegen.
Nach dem erfolgreichen Wettkampf können die Hirten endlich ihren Weg gegen Bethlehem fortsetzen und es erscheinen Maria und Josef, sowie das Jesuskind auf der Bühne. Sie tragen eine goldene Krone, was sie als eine Art Könige kennzeichnet. Die Hirten huldigen dem Paar und geben kleine Geschenke für das Jesuskind dar. Damit endet der Bühnenteil des Pastorela. Alle Zuschauer werden zu einer Prozession durch die mit Fackeln und Kerzen beschienenen Gänge des Klosters aufgerufen und die, zu Anfang verteilten Kerzen werden entzündet.
In einen Innenhof des Klosters versammeln sich die Zuschauer und Schauspieler zu einen anschließenden Letani der Posada. Im Anschluß daran werden 3 riesige, mit Süßigkeiten gefüllte Piñatas verlost (jede Eintrittskarte ist gleichzeitig ein Los). Vom Innenhof geht es in den, mit Kerzen und Fackeln beleuchteten Garten des Klosters, wo es noch eine heiße Atole zu trinken und zwei Tamales Oaxeños zu essen gibt.