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Mexiko hat weitaus mehr Trachten, also die allseits bekannte mit dem typischen Sombrero.

Mexiko

Trachten aus Mexiko

 
Die Vielfalt der verschiedenen Volksgruppen in Mexico spiegelt sich auch in seinen manigfaltigen Folkstrachten wieder. Genauso, wie sich viele Ausländer die Deutschen nur in Dirndel und Lederhose vorstellen können, ist das Bild des Mexikaners im Ausland, meist auch nur auf einen Trachtentyp beschrängt.
Deshalb wird auf dieser Seite neben der "typischen" mexikanischen Tracht, die aus Jalisco stammt auch auf die, der verschiedenen Regionen eingegangen.
 
tracht mexiko 
Danzas Mexicanas in Köln (c) Monika Horvat
 

Nationaltracht

 
Die in der ganzen Welt bekannteste mexikanische Nationaltracht stammt aus Jalisco. Der Mann trägt ein typische Charrotracht, welches auch die meisten Mariachigruppen tragen. Die Charrotracht ist bei den Tanzgruppen meist schwarz und besteht aus einer eng anliegenden langen Hose und einer relativ kurzen Jacke. Die Seitennähte der Hose und die Verschlüsse der Jacke bestehen meist aus Silberschnallen. Neben den schwarzen Anzug gibt es auch graue, beige und andere Farbvarianten. Der Mann trägt zum Anzug einen breiten Sombrero und spitz zulaufende "Botines", Stiefel.
 
Die Frau trägt ein typisches Kleid des 19. Jahrhunderts, hochgeschlossen und mit Volant am Oberteil und an den extrem weitgeschnittenen Rock. Die Farben der Kleider sind meist sehr strahlend gelb, rot, blau usw. aber es gibt auch schwarze Kleider, die dann aber mit bunten Borden belebt werden. Die Röcke der Frauen erregen bei den Aufführungen der typischen Tänze, immer sehr viel aufsehen, da sie mit den Händen zu einen riesigen Fächer aufgebauscht werden. Das Kostüm der Frauen findet man in einer etwas schlichteren Variante bei den Auftritten, der berittenene Frauengruppen bei den Charreadas. Das Kostüm der Adelita geht auf die sagenumwogene Frauenfrigur der Adelita zurück, die wärend der mexikanischen Revolution sich ebenso tapfer, wie die Männer schlug.
 
Ein weitere sehr beliebte Nationaltracht der Frauen, ist das Kostüm der China Poblana. Die Tracht gibt es mittlerweile in den verschiedensten Variationen (von einfach bis luxeriös) aber stets in den drei Nationalfarben "Rot-Weiß-Grün". Zu Begin des 19. Jahrhunderts tauchte diese Tracht zum ersten mal in den Städten und Dörfern auf und wurde überwiegend von jungen Mestizinnen, die als Dienstmädchen, Köchinen oder Verkäuferinen arbeiteten getragen. Das ursprünglich Kostüm besteht aus einer weißen bestickten Muselinbluse, die kurze Puffärmchen und einen weiten runden Ausschnitt hat, dazu trägt man einen weiten Rock, der durch mehrere "Unterröcke" in Form gebracht wird. Dieser Rock besteht aus drei "Streifen": das obere Drittel ist meistens aus einer Farbe (grün), darunter kommt ein bunter farbiger Teil, der meist sehr schön bestickt oder mit Piletten geschmückt ist und das letzte Drittel ist wieder in einer einzigen Farbe gehalten.Gehalten wird das ganze von einer Stoffschärpe als Gürtel.

Ging vor 200 Jahren die Frau damit auf die Straße, trug sie dabei noch ein Schultertuch rebozo, daß sie über den Kopf zog, wenn sie in die Kirche ging. Dieses "rebozo" war eine mexikanische Weiterentwicklung der spanischen "mantilla", die noch bis zur mitte des letzten Jahrhunderts beim Kirchgang getragen wurde. Auch heute noch wird die ursprünglichen Form der "China Poblana"-Tracht getragen, nur das der Stoff des Rockes oft aus Seide oder Satin besteht und das man die Haare mit Bändern in den Nationalfarben schmückt. Seit den 30-er Jahren des letzten Jahrhundert hat sich aber auch eine Art Luxusvariante der "China Poplana" entwickelt.

Die Frau trägt einen Sombrero, die Haare in Zöpfen geflochten und mit Satinbänder in rot und grün gebunden, das Oberteil hat zwar noch die ursprünglichen Puffärmchen aber sonst erinnert nichts mehr an eine einfach bestickte Muselinbluse. Um die Schulter trägt man ein "rebozo" und eine Stoffschärpe als Gürtel. Der Rock ist lang, breit und mit Paietten bestickt; ein beliebtes Motiv ist dabei der Nationaladler. Woher die Tracht der "China Poblana" stammt, dazu gibt es zwei Versionen. Die erste besagt, daß die jungen Mestizinen, die überwiegend diese Tracht trugen aus kleinen Dörfern stammten und Dorf heißt auf spanisch "pueblo", "poblana"=>dörflich. Die Bezeichnung "china" hat nichts mit dem Land China zu tun, sondern ist ein indianisches Wort für Mädchen aus dem Quechua (Peru). Die Spanier die auch Peru eroberten hatten brachten dieses Wort auf unbekannten Wegen nach Mexiko und es wird schon seit hunderten von Jahren für Mädchen und junge Frauen benutzt. Demnach bedeutet "China Poblana" das "Mädchen vom Dorf".

Eine weit romantischere Version ist die Legende der China Poblana aus Puebla, wo die Tracht zur "Stadt"-tracht erhoben wurde.
 


Trachten der unterschiedlichen Regionen

 
Tehuantepec (Oaxaca)

Eine der wohl auffälligsten Trachten von Mexiko ist die aus Tehuantepec. Die Frauen tragen eine Art Spitzenhaube, wie man sie aus dem Spreewald oder der Tracht aus der Normandie her kennt. Vermutlich hat hier die kurze französiche Besatzungszeit (um 1862) hier ihre Spuren hinterlassen. Die Kleidung meist aus schwarzen Samt ist mit großflächigen Blütenmotiven bestickt. 

Chiapas 
 
Aufwändige Stickereien auf Tüll oder Organza macht die schwarze Tracht der Frauen zu einer wahren Augenweide. Die Tracht gibt es auch in weiß, wird aber nicht so oft getragen wie die schwarze Ausführung. Die Haare werden in einen geflochtenen Zopf über dem Kopf getragen und mit bunten Satinbänder geschmückt.
 
Veracruz
 
Die weiße Tracht aus Veracruz findet man in ähnlicher Form an den Küsten von Venezuela. Wer heir wehn am meisten beeinflußte läßt sich kaum noch nachvollziehen. Zu den den weißen Kleider trägt man eine kleine schwarze, mitroten Rosen bestickte Schürze. Ein unabdingbares Accesoar der Frauen ist der Fächer, der ein spanisches Erbe ist. Die Männer tragen einen weißen Anzug, den man in ähnlicher Form auch in Yucatan wiederfindet. Ergänzt wird der Anzug durch ein rotes Halstuch und einen weißen Sombrero.
 
regionale tracht mexiko
Tracht aus Veracruz (c) Monika Horvat

Puebla / China Poblana
 
Wie schon zu Anfang beschrieben ist die Tracht der "China Poblana" Nationaltracht. Sie wird aber vorwiegend von den Frauen in Puebla getragen. Die Tracht des Mannes besteht in Puebla aus einer schwarzen Hose, die unten seitlich aufgeschlitzt ist und aus einer breiten roten Schärpe. Dazu trägt er ein blütenweißes Hemd und um den Kopf bindet er sich, in Piratenmanier ein rotes Tuch. Zuweilen trägt er hierzu noch eine kurze schwarze Bolero-Jacke und einen Sombrero. 

Guerrero
 
Wie fast an allen Küsten Mexikos trägt der Mann einen weißen Anzug und dazu einen passenden weißen Sombrero oder einen aus Stroh. Die Frauen tragen einen meist roten oder orangen "Unterrock", worüber sie einen weißen buntbestickten "huipil" tragen. Der "huipil" ist das traditionel älteste Kleidungsstück der mexikanischen Indianern und wird in den verschiedensten Formen von zahlreichen Stämmen im Mittel- und Südmexiko getragen.

Yucatan
  
Auf den weißen Baumwollkleidern der Nationaltracht Yucatans entfaltet sich eine regelrechter gestickter Blumengarten. Einfache Kleider, mit marschineller Stickerei bekommt man an den Souvenirständen in Merida zu kaufen aber die wirklichen Schmuckstücke sind die mit Spitzen versehenden und handbestickten Einzelexemplare, die man nur bei Auftritten von Folkloregruppen zu sehen bekommt.

Tamaulipas
 
Die braune Lederkleidung der Frauen und Männer aus Tamaulipas erinnert stark an die der Cowboys, die wahrscheinlich auch zum Vorbild genommen wurden. Die braune Tracht hat umfangreiche weiße Lederapplikationen und Lederfransen an den Röcken der Frauen und an den Oberteilen. Die Männer tragen zum Anzug meist einen Sombrero aus Stroh. Um den Hals tragen Frauen und Männer ein rotes Halstuch. 

Jalisco
 
Wie schon zu Anfang erwähnt stammt die in der ganzen Welt bekannteste mexikanische Folkstracht aus Jalisco. Das was die Tracht so aktraktiv macht, ist die betont männliche Charrotracht, mit Stiefeln, breitem Sombrero und Silberschnallen - einen Anzug von den zumindest jeder kleine Junge träumt und die weiten ausladenden Röcke der Frauen, die beim Tanzen, sich wie ein Fächer um die Tänzerin aufbauschen und dem Tanz eine zusätzliche Dynamik verleihen.
 


Trachten der verschiedenen Indianerstämme

 
Über viele Jahrhunderte hindurch, war der Geschmack und die Mode durch den europäischen Einfluß, den insbesondere die Oberschicht des Landes, so weit wie möglich versuchte nachzueifern bestimmt worden. Der Größtteil der Bevölkerung, die Mestizen hatten, weder eine rein indianische noch europäische Identität erlangen können. Erst durch die mexikanische Revolution (1910) begann das Land, nach einer eigenen, von Europa möglichst unabhängigen Identität zu suchen. Dies spiegelt sich nicht nur in der damaligen Kunst (Diego Rivera usw.) wieder, sondern auch in der Mode.
 
Schaut man sich die Tracht der "Adelita" an sieht man, daß sie den puritanischen Geist des 19. Jahrhunderts widerspiegelt. Diese hochgeschlossenen und langarmigen Kleider waren nicht für das überwiegend heiße Klima Mexikos geeignet und wurden einfach von Europa übernommen. Der überwiegende Teil der Revolutionäre bestand aus landlosen Bauern und Mestizen und so wurde auch deren Kleidung zum neuen Leitbild auch nach der Revolution. Man erinnerte sich auch plötzlich wieder seiner indianischen Wurzeln und nahm auch bereitwillig Elemente daraus auf. Die Tracht der "China Poblana" und der einfachen Rindertreiber, der Charros wurde plötzlich Salonfähig. In der Werbung, in den Filmen der sogenannten "Epoca de Oro" (um 1935) spiegelt sich dieses, neu gefundene Nationalgefühl wieder.
 
Heute tragen auch viele Indianerstämme, besonders die Frauen, mit Stolz ihre ursprüngliche Tracht. Allgemein läßt sich hierzu noch sagen, daß seit der spanischen Konquista, die Kleidung der Männer einen wesentlich stärkeren Wandel unterlag, als die der Frauen. Es gibt nur noch sehr, sehr wenige Stämme, wie z.B. der der Tarahumaras oder der Lacandones bei denen die Männer keine lange Hosen oder Sombreros tragen. Dies ist auch ein Grund, warum ich auf die Tracht der Männer weniger eingehe, als wie der Frauen. Fast überall tragen die Männer eine gerade geschnitten Hose, ein Hemd und einen hellen Sombrero. An den Küsten Mexikos ist die Tracht der Männer meist weiß und im Zentrum dunkel - dies scheint vielleicht etwas stark verallgemeinert - aber meistens ist es so.
 
Huastecos - San Luis Potosi
 
Die Huastecos leben zum größten Teil an der Golfküste, in Veracruz und in San Luis Potosi. Mit den Olmeken und Totonaken gehörten sie zu den drei Hochkulturen der Golfküste.
Die Frauen tragen auf den Kopf einen Art Turban aus bunten Wolltüchern. Über einen meist weißen Rock tragen sie ein Huipil, der an einen kurzen bestickten Poncho erinnert. Die Stickereien sind abstrakt und die Farben orange und rot überwiegen.
 
Zapotecos - Oaxaca
 
Da es bei den Zapoteken ein ausgeprägtes Matriachat gibt, ist auch die Tracht der Frauen überaus reich bestickt und wird mit sehr viel Goldschmuck ergänzt. Die der Männer ist dagegen äußerst unscheinbar und schmucklos: eine einfache weiße Hose, ein weißes Hemd und und ein Strohsombrero.

Huicholes
 
Das Volk der Huicholes in der Sierra Madre Occidental, im Norden von Jalisco hat sich von fast allen indianischen Stämmen Mexikos am längsten von "Fremden Einflüssen" entfern halten können, dies spiegelt sich auch in ihrer Tracht wieder. Die Kleidung ist weiß und überaus farbenfroh mit abstrakten Mustern bestickt. Der Mann trägt auf seinen Sombrero zahlreiche Federn und die Frauen tragen oft rote Tücher, nach hinten geknotet auf dem Kopf.

Nahuas -Milpa Alta
 
Die Nuhuas leben zum größten Teil in Zentralmexiko und sind die Bevölkerungsmäßig größte indianische Volksgruppe. Sie sprechen "náhuatl", was auch die Sprache der Azteken war. Die Frauen der Nahuas tragen bunt bestickte Röcke und Blusen und auf dem Kopf ein reboso, ein sogenanntes Schultertuch. Zu speziellen Anlässen und wenn sie besonders viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen, setzen sich die Frauen dicke Wollknäule in die Haare.
 
Tarahumaras - Chihuahua
 
Wenn man von den Beinen und Füßen der Tarahumaras absieht, besteht deren Kleidung aus sehr, sehr viel Stoff. Die Männer binden sich ein weißes Dreiecktuch hinten an den Gurt, daß sie zwischen die Beine nach oben vorne am Gurt wieder befestigen. Männer und Frauen gehen meist barfuß oder tragen nur einfache Ledersandalen. Auch die Beine sind meist immer nackt und das obwohl es im Gebirge oft sehr sehr kalt werden kann. Die Männer tagen überwiegend weiße Kleidung während es die Frauen und Kinder sehr farbenfroh lieben. Die Blusen der Frauen und Mädchen sind langarmig und hoch geschlossen. So wie der Überrock, der auf eine Reihen von "Unterröcken" getragen wird sind die Stoffe mit auffälligen bunten Blumenmustern bedruckt. Den Kopf bedecken sie mit einen Tuch, daß sie nach hinten verknoten.

Lacandonen - Chiapas
 
Am auffälligsten bei den Lacandonen sind die Männer bekleidet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stämmen tragen sie keine langen Hosen und auch keinen Sombreo. Statt dessen verwenden sie eine weiße lange Tunica, deren Ursprung in den Huipil der Männer aus prehispanischer Zeit liegt.

 
 

Sombreros und andere Accessoires

 
Sarapes
 
Sarapes sind eigentlich das, was die meisten Touristen von Mexiko kennen ohne zu wissen, daß es das ist was sie meinen. Es sind die bunten gestreiften Ponchos, die früher (nur nicht so bunt) von den Viehtreibern als zusätzlichen Schutz vor Wind und Wetter über ihrer übrigen Kleidung getragen wurde. Ähnlich wie der Huipil besteht er für gewöhnlich aus einer einzigen Stoffbahn, die oben eine Öffnung für den Kopf hat. Es gibt die Sarape aus Wolle und sogenannten gedeckten Farben: Wollweiß, beige, braun und grau - oft mit abstrackten Motiven und natürlich in den knalligen Farben: rot, weiß, blau, grün und gelb (meist aus Baumwolle). Dreimal dürft ihr raten, welche Version wohl am ehesten von einem Mexikaner für den Alltag gekauft wird.

Sombreros
 
Den "typischen mexikanischen" Sombrero in der Form, wie wir ihn heute kennen gibt es gerade kaum hundert Jahre. In den 30-er und 40-er Jahren des vorherigen Jahrhundert fing man den Sombrero der Charros so weit hoch zu stilisieren bis letztendlich das daraus wurde, was man in jeden Souvenirshop an die Touristen verkauft. Diese mit Pailletten besetzten Samthüte sehen ja ganz nett aus aber ein richtiger Ranchero oder Charro würde sich das im Ernst niemals auf dem Kopf setzen.
 
Ein Charro benutzt für gewöhnlich einen Sombrero aus Filz oder einen guten Strohsombrero, wie auf den folgenden Abbildungen zu sehen ist. Diese Sombreros sind Handgemacht und halten auch etwas aus. Sie sind aber auch nicht gerade billig. So muß man für einen Filzsombrero aus Hasenhaar mittlerweile mindestens 400 USD hinlegen. Wer sich so ein nicht für Touristen gemachten Sombrero kaufen will kann das über das Internet zum Beispiel bei Mariachi Connection, El Charro (beide USA) und bei Traje Tipico (aus Mexico) machen. Ich empfehle aber in Mexiko direkt zu kaufen.
 
Man kann Adressen bei der Accesion Nacional de Charros bekommen oder man schaut einfach selbst mal in den Geschäften rein. In Mexikostadt findet man sie im Centro Historico, in der Nähe vom Zocalo und in einigen Straßen hinter dem Ayuntamiento. Im Norden von Mexiko, wie z.B. in Chihuahua, in Baja California, in Tamaulipas und Sonora trägt man einen Sombrero, der mehr an einen US-amerikanischen Cowboyhut erinnert. Die Hüte sind fast nie aus Filz (wäre auch viel zu warm darunter) und meistens sehr hell.
 In Zentralmexiko und insbesondere in Jalisco trägt man den "typischen" Filzsombrero, wie wir ihn in Europa kennen. Er ist meist schwarz aber man findet sie auch in grau, beige, creme und anderen "gedeckten" Farben. Das Hutband ist oft eine gedreht Kordel oder ein gewebtes einfarbiges Band. Manchmal gibt es auch Sombreros mit Applikationen an der Hutkrempe zu sehen, die aber immer in einer dezenten zur Farbe des Hutes passende Farbe hat. - Alles andere, knall bunte oder mit Pailletten besetzte Sombreros sind Touristenware. Schön anzusehen, für den Partykeller oder für Karneval zu gebrauchen aber keine echte mexikanische Volkstracht!

Im Süden und an der Küste trägt man einen hellen Hut, mit kleiner Krempe. Ähnliche Hüte, so genannte Panama Hütte findet man in der ganzen Karibik und sie werden auch in Alltag getragen.
Obwohl der Sombrero, das typischste aller Kleidungsstücke in Mexiko ist, war es bei den Indianern in Vorkolumbianischer Zeit gänzlich unbekannt. Nichts desto Trotz nahmen die Indianer und die Mestizen den größten Einfluß in die Weiterentwicklung der spanischen Vorbilder. So trugen die Viehtreiber zu Anfang meist einen Sombrero, wie man ihn im Spanien heute noch verwendet, einen "Cordobés". Dieser Sombrero hat eine flache, weit ausladende Krempe und einen flachen Kopfteil und man sieht in heute noch bei den Reitern in Andalusien.

Die ersten Indianer die den Hut als Kleidungsstück für sich entdeckten, flochten ihn aus Palmblättern und machten die Krempe breiter und breiter und den Kopfteil höher und höher. Bei den Tzotziles und bei der Männertracht aus Puebla sieht man heute noch einen Sombrero, der dem spanischen Vorbild noch am meisten ähnelt. Das Kopfteil ist wesentlich flacher als wie bei den berühmt gewordenen Charro-Sombrero. Die Chichimecas und die Pames aus San Luis Potosi gehörten zu den ersten Indianerstämmen, die hohe und weitkrempige Strohhüte trugen. Diese Sombreros wurden während der mexikanischen Revolution 1910 überwiegend von Truppen aus Potosi und Tamaulipas getragen, während die Zapatistas aus Morelos den Sombrero der Charros den Vorzug gaben. Dieser Sombrero aus Morelos, war nicht so hoch vom Kopfteil und auch nicht so übertrieben weitkrempig und im Gegensatz zu allen anderen nicht aus Stroh geflochten. Dieser Sombrero war aus Leder, Filz usw. hatte ein Hutband oder Kordel und wurde erstmalig von den Chinacos im Widerstandskampf gegen Kaiser Maximilian getragen.

Im allgemeinen hatte die mexikanische Revolution einen erheblichen Einfluß auf das Aussehen des "typischen" mexikanischen Sombreros von heute.

Reboso
 
Ein Reboso, Schultertuch, wie es heute oft von den Frauen in Mexiko getragen wird, gab es in Mexiko in prehispanischer Zeit nicht. Das Reboso hat sich in laufe der Jahrhunderte aber zu einen unabdingbaren Bestandteil der meist ländlichen Frauen entwickelt. Es wird benutz um sich vor Wind und Sonnenbestrahlung zu schützen, um Babys oder Waren zu transportieren oder um die übrige Kleidung attraktiv zu ergänzen. Dabei kann das Reboso die unterschiedlichste Aussehen haben. Einmal ist es fast nur noch ein schmaler Schal, der auch als Gürtelschärpe benutz werden kann und ein andermal es es ein breiter Umhang, in den man sich fast vollkommen verhüllen kann. Das Reboso ist entweder einfach und einfarbig oder in vielen Farben gewebt. Es gibt sie aus den unterschiedlichsten Materialien und mal bestickt, mit Pailletten oder mit Fransen verziert. 
 
Ursprünglich kannten die Indianer nur ein Art Tragenetz, Ayate genannt, das entweder geknüpft oder geknotet zum Transport von Waren verwandt wurde. Das heute verbreitete Schultertuch, wurde in seinen Aussehen und in seiner Form wahrscheinlich durch die spanische "Mantilla" oder indischen Kopftüchern- und Schals beeinflußt.
 
Wie schon bei der Legende der "China Poplana" und der "Piñata" erwähnt, wurde Mexiko über Acapulco sehr stark von Asien aus beeinflußt. Der rege Handel zwischen den Philippinen und Mexiko hat seine Spuren in der Kultur und in der Mode der beiden Länder hinterlassen.

Huipil
 
Der Huipel ist das typische Kleidungsstück der Indianer schon seit vorkolumbianischer Zeit. Heute wird er überwiegend nur noch von den indianischen Frauen getragen. Der Huipil besteht für gewöhnlich aus einem zusammengelegten Stoffstreifen, der an der Knickkante eine Öffnung für den Kopf hat und der an den Seiten zwei Öffnungen für die Arme hat. Zuweilen wird er auch aus zwei oder drei Teilen zusammengestellt. Die Form ergibt sich aus dem gewebten Streifen Stoff, daß man nicht unnötig mit einer Schere zurecht schneiden muß.

Es gibt einfarbige, einfache Huipiles aber auch sehr aufwendig bestickte Exemplare und angeblich soll es die größte Variation an Huipiles in Oaxaca geben. Die Lacandones gehören mit den Amuzgos (Guerrero) zum letzten indianischen Stamm bei den auch die Manner den Huipil benutzen.

Botines (Stiefel) und Schuhe
 
In Nordmexiko gibt es zum Teil regelrechte spitz zulaufende Cowboystiefel, die Applikationen aus Schlangenleder haben oder einfach starke unterschiedliche Farbapplikationen haben. Sie haben einen Wadenhohen Schaft und ihre Absätze laufen schräg zu. Die Stiefel (Botines!) der Charros sind hingegen weniger spektakulär: meist einfach schwarz und auch oft nur knöchellang werden sie unter den Charrohosen getragen. Die Stiefelletten der Frauen "der Adelitas" sind meist auch nur knöchellang und mit Harken und Ösen geschnürt.

Zu einen großen Teil werden zu den Trachten in Südmexiko und an den Küsten einfache Ledersandalen getragen aber auch normale Schuhe. Sogar Tennisschuhe zu einer einfachen Lacandonen-Tunika kann man zuweilen sehen.
 
Halstücher
 
"Paliacates", Halstücher (vorzugsweise rot!) trägt man nicht nur um den Hals gebunden sondern werden bei diversen Tänzen in den Händen gehalten oder in den Gürtel gesteckt. Sie finden nicht Verwendung bei den Männern sondern auch bei vielen Trachten der Frauen. Am preiswertesten bekommt man sie auf den Märkten, wie z.B. in Mexiko-Stadt auf dem von "La Merced" und in kleinen Kolonialläden. Sie sind meist aus Baumwolle und der Druck ist abstrakt in weiß und schwarz. Vom Design sind sie fast zeitlos und so sind sie auch zu modernen Jeans oder Hemden tragbar.

Schmuck
 
Es gibt in Mexiko Silber- sowie auch Goldschmuck. In Nord- und Zentralmexiko wird man überwiegend auf Silberschmuck treffen und in Süden mehr auf Gold. Für viele Frauen, z.B. den Zapotecas ist der Goldschmuck nicht nur alleine zum schmücken da, er ist auch Statussymbol und eine Art Vermögensreserve. Auch im Alltag, in den großen Städten wird es eine vielleicht auffallen, daß auch die Männer viel mehr Schmuck tragen als bei uns. Wer Geld hat (oder glaubt, daß er es hat) trägt gerne einen dicken Ring, eine Goldkette (mit und ohne Kreuz oder Madonna) oder ein klumpiges Armband.
 
Die Frauen tragen oft zur Tracht goldene Kreolen oder filigrane Hängeohringe. Man unterscheidet dabei zwischen einfachen Steckerohrringe "aretes" und langen Gehängen "pendientes". Da es früher sehr sehr viele Silbermienen in Zentralmexiko gab, findet man noch heute dort eine stark ausgebaute silberverarbeitendes Kunsthandwerk. Städte, wie Taxco sind berühmt für ihre Silberschmiedewerkstätten und das Angebot Vorort ist überwältigend. Fährt man von Mexikostadt Richtung Süden findet man sehr viel Goldschmuck, verarbeitet im Stiel der Mixtecen.
 
In Mexiko findet man eine Reihe von Halbedelsteinen, die u.a. zu Halsketten verarbeitet oft von Indianern (ambulant) zum Kauf angeboten werden. Schmuck wird fast überall in Mexiko verkauft und er wird nicht nur von Touristen gekauft. Die Qualität ist für gewöhnlich sehr gut aber mancherorts etwas einseitig vom Design. Bei den meisten Händlern ist es nur ein Weiterverkauf von sogenannter Massenware, die man an jeder Straßenecke in der gleichen oder ähnlichen Form wiederfindet. Man muß schon sehr genau schauen und nicht am erstbesten Stand/Geschäft kaufen, den es gibt auch wirkliche Künstler, die ihren selbst hergestellten Schmuck verkaufen.