In der Osterwoche finden die wichtigsten religiösen Feiertage der überwiegend katholischen Mexikaner statt. Die Feierlichkeiten beginnen am Palmsonntag und enden am darauf folgenden Osterwochenende.
Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und die beiden Ostertage werden zum Teil sehr unterschiedlich in den verschieden Regionen und Gemeinden gefeiert.
Palmsonntag
In den Messen, die an diesen Tag statt finden werden aus Palmblätter oder Stroh gefertigte Kreuze gesegnet und anschließend in den Häusern der Familien aufgehängt. Einige Kreuze werden verbrannt und deren Asche in der Kirche aufbewahrt. Diese Asche wird dann im darauf folgenden Jahr für das Aschenkreuz am Aschermittwoch verwandt.
In einigen Gemeinden werden Prozessionen durch den Ort durchgeführt. Hier für wird entweder eine Jesusstatue von starken Männern getragen oder ein Gemeindemitglied spielt in einen Kostüm Jesus und reitet auf einem Esel. Die Prozession wird von den Gläubigen mit Palmblättern begleitet.
Mittwochnacht
In der Nacht zu Gründonnerstag findet in einigen Gemeinden eine ganz spezielle Spätmesse statt, die "los maitines de las tinieblas". In dieser Messe soll daran gedacht werden, wie Jesus von seinen Jüngern verlassen wurde, bis er zum Schluß alleine da stand. Zu Begin der Messe werden auf dem Altar 15 Kerzen entzündet. Nach jeden Psalm den die Gemeinde singt, wird eine Kerze gelöscht, bis zum Schluß nur noch eine Kerze in der Dunkelheit leuchtet. Diese Kerze symbolisiert Jesus, wie er am Schluß alleine im Dunkeln steht.
Gründonnerstag
In vielen Kirchen des Landes findet eine spezielle Messe statt bei der insbesondere an das letzte Abendmahl gedacht wird. Öl, Wein und die Hostie wird gesegnet und an die Gemeindemitglieder ausgeteilt. In der üblichen Liturgie gibt es eine kleine Änderung die für die folgenden 3 Tage beibehalten wird: es wird zum Ende der Messe keine Glocken geläutet und der gegenseitige Friedensgruß der Gemeinde fällt weg - dies soll u.a. an den Verrat Judas erinnern.
Zu Zeichen der Trauer werden die Altäre und die Heiligenfiguren mit dunkel roten Tücher bedeckt, die auch erst am Sonntag "Tag der Auferstehung" wieder entfernt werden.
In vielen Gemeinden ist es üblich an diesen Tag 7 verschiedene Kirchen zu besuchen und dort um Verzeihung der Sünden zu beten (keine Messe!). Dieser Besuch der verschiedenen Kirchen entwickelt sich dann meist zu einen vergnüglichen Familienausflug, da vor den Kirchen neben Kerzen und Heiligenfiguren dann auch allerlei Leckereien verkauft werden. Diese Schlemmereien haben für viele Mexikaner dann oft einen gleich hohen Stellenwert, wie die religiösen Handlungen - den für die meisten Mexikaner ist die "Fiesta", das feiern ein wichtiger Lebensbestandteil.
Auch gibt es, wie zu Weihachten einige ganz spezielle Leckereien, wie z.B. Capirotada.
Das Rezept hierzu findet ihr auf meiner neuen Seite über typische Gerichte aus Mexiko.
Neben dem Besuch der 7 verschiedenen Kirchen findet am Abend noch die rituelle "Fußwaschung" in den Gemeinden statt, die an die Fußwaschung Jesu an seine Jünger erinnert und die jeweils an älteren Gemeindemitglieder vorgenommen wird.
Karfreitag
An diesen Tag wird an den Kreuzgang Jesu gedacht. Hierzu finden in vielen Gemeinden fast Hollywoodreife Passionsspiele statt. Diese Passionsspiele gibt es nicht nur am Freitag sondern auch am Wochenende, da man oft das ganze Programm inziniert (Letztes Abendmahl, Verrat Judas, die Gerichtsverhandlung, Kreuzgang, Kreuzung und Wiederauferstehung).
Besonders empfehlenswert sind diese Passionsspiele in den folgenden Orten:
Iztapalapa, Taxco, Guanajuato, San Luis Potosi, Miguel Allende, Ajijic (Jalisco), Oaxaca, Huandacareo, Pátzcuaro und seit neusten auch im Süden von Mexiko Stadt in Coyacan und San Angel.
Die bekanntesten sind die von Iztapalapa einen Ortsteil im Osten vom Mexiko Stadt, auf einer extra Seite der Homepage des Ortes findet man kurz vor Ostern dann auch einen genauen Plan, wann und wo welche Vorstellungen stattfinden. Neben den Namen der "Schauspieler" gibt es dann auch eine kurze Erklärung wie man wo hinkommt.
Karsamstag
Am Karsamstag findet die "Verbrennung" des Judas statt. Wobei richtig verbrannt wird er nur noch in Veracruz, wo eine mit Kleidung und Schuhen ausgestattete Strohpuppe symbolisch verbrannt wird (ähnlich der Nubbelverbrennung am Karnevaldienstag).
Die "Verbrennung" des Judas geht auf die schlechte Sitte der spanischen Inquisition zurück, wo es üblich war andersgläubige und Ketzer zu verbrennen.
In den meisten Gemeinden ist der Judas eine Papmarchefigur, die an Seilen aufgeknöpft über den Straßen und Plätzen hängen. Sie haben entweder das Gesicht des Teufels, eines ziemlich unpopulären Politikers (z.B. Salinas) oder eines anderen ungeliebten Zeitgenossen (dieses Jahr wahrscheinlich Bin Laden).
Die Figuren, enthalten neben ein paar Knallkörpern die zur Explosion gebracht werden, viele Kleinigkeiten für die Kinder. Die am Straßenrand stehen und es kaum erwarten können bis die Judaspuppen (ähnlich wie die Piņatas) auseinander bersten.
Ostersonntag
Am Ostersonntag wird die Auferstehung Jesu gefeiert. Die Glocken werden wieder geläutet und die dunkelroten Tücher verschwinden aus den Kirchen.
In den zuvor schon genannten Orten finden die letzten Passionsaufführungen statt und anschließend gibt es überall "Fiesta". Vor vielen Kirchen und auf den Plätzen gibt es dann zahlreiche Eßstände und es gibt dann auch wieder Musik und Tanz. Es wird bis spät in die Nacht gefeiert, den zum Glück gibt es dann noch den Ostermontag, an den man sich ausschlafen kann "Viva la Fiesta".
Viele Familien verbringen die "Semana Santa" nicht zuhause sondern machen Urlaub. Der mexikanische Arbeitnehmer ist im Gegensatz zu uns Europäern nicht mit sehr vielen Urlaubstagen gesegnet (gerade 1 bis 2 Wochen pro Jahr) und so nutzt man die freien Tage in der Semana Santa um "Puente" zu machen. "Puente"-machen bedeutet die Tage überbrücken an denen man sowieso frei hat. In vielen Städten sind dann neben den Schulen auch Banken und öffentliche Einrichtungen, Gemeindeverwaltungen usw. geschlossen.
Fast die ganze Nation ist in Urlaubsstimmung und die Strände und Hotels sind dann proper voll. Wer sich nicht frühzeitig bemüht wird auch dann kaum noch einen freien Platz bei den Inlandsflug finden können und auch an den Busbahnhöfen sollt man frühzeitig da sein, um einen freien Platz zu ergattern.
Keine Ostereier und keine Osterhasen! Diese Sitte gibt es bei uns und in den USA und trotz der geografischen Nähe hat der Osterhase es noch nicht geschafft über die Grenze nach Mexiko zu hüpfen. Vereinzelt findet man schon ein paar Häschen in der Kaufhauskette "Sanborns" aber die stehen meist für die Ausländer da - aber wer weiß: Halloween wurde bis vor zwanzig Jahren weder in Deutschland noch in Mexiko so gefeiert, wie es jetzt schon üblich ist. Allgemein findet in vielen Ländern schon eine kräftige kulturelle Vermischung der Sitten und Rieten statt.
Ostern in Iztapalapa
Iztapalapa liegt im Osten von Mexiko Stadt und hat in Mexiko mittlerweile den Ruf, die besten Passionsspiele während Ostertage zu haben. Die Tradition dieser Passionsspiele, geht nicht auf die frühen Missionare, die versuchten die indianische Bevölkerung
der aztekischen Ansiedlung zu bekehren zurück, sondern sie begann viel später.
Im Jahre 1833 kam während einer schlimmen Cholera Epedimie (cólera morbus)fast 80 % der Bevölkerung ums Leben.
Alleine im Monat August, als die Epedimie ausbrach starben in Iztapalapa vierzehntausend Einwohner.
Ein Phänomen war aber das nur Erwachsene und keine Kinder an der Krankheit starben und so kam es, daß nach zwei Monaten der größte Teil der Kinder in diesen Ort Waisen waren.
Während einer Messe gelobte man, jedes Jahr zu Ostern der Kreuzigung Christi in einer ganz besonderen Form zu gedenken, wenn die wenigen Überlebenden endlich von dieser Krankheit befreit werden würden. Es geschah an diesen Tag das Wunder, daß statt hunderte nur noch fünf Menschen starben, am darauf folgenden nur noch drei und am dritten Tage niemand mehr der Cholera zum Opfer fiel.
Die Passionsspiele fanden dann auch viele Jahre regelmäßig ohne Unterbrechung statt bis sie im Jahre 1904 von den Behörden verboten wurden.
Wieder aufbelebt wurden die Spiele erst zehn Jahre später vom Revolutionshelden Zapata. Als er mit seinen Revolutionstruppen in der Stadt verweilte fiel ihm auf, daß niemand im Ort Vorbereitungen für die "Semana Santa" machte und fragte nach dem Grund. Als er erfuhr das die Machthaber der Regierung es dem Volk verboten hatte, war dies schon ein Grund mehr für ihn, die alte Tradition der Passionsspiele wieder zu erlauben (zu befehlen). Er stellte sogar den "römischen" Soldaten für die Aufführung die Pferde der Revolutionstruppen zur Verfügung. So kommt es, daß seit den Jahre 1914 die Passionsspiele wieder regelmäßig statt finden.
Bei diesen Ausführung macht fast der ganze Ort direkt oder indirekt (als Zuschauer) mit. Alle Akteure kommen aus dem Ort und besonders an den Darsteller von Christus werden strenge moralische Anforderungen gestellt. Neben einen untadeligen Lebenswandel muß er auch noch top-fit sein, da er das fast 100 Kilo schwere Kreuz, die ganzen 5 Kilometer der Prossesionstrecke tragen muß.
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