Religion

Mexiko besteht nicht nur aus Katholiken, sondern auch aus einer Reihe von anderen Religionsgemeinschaften, die das Land entscheidet geformt haben.



Katholiken

Fast 90% der Mexikaner sind Katholiken und somit gehört Mexiko nach Brasilien zur zweitgrößten katholischen Nation. Trotzdem herrschte über mehr als ein Jahrhundert (1857-1992) die radikalste Trennung zwischen Staat und Kirche in Mexiko als sonst wo in der Welt. Die Besuche des Papstes 1979 und 1990 waren regelrecht "illegal" da Mexiko nicht einmal diplomatische Beziehungen zum Vatikan pflegte.
In den staatlichen Schulen gibt es keinen Religionsunterricht und niemand bekommt Kirchensteuern vom Gehalt abgezogen. Außer Weihnachten (25. Dezember) und Ostermontag gibt es keine kirchliche Festtage, die auch arbeitsfreie Feiertage sind. Wenn man sich kirchlich Trauen oder seine Kinder taufen lassen will, so ist das eine Dienstleistung die extra bezahlt werden muß. Die Kirche lebt von Spenden und so kommt es, daß dort wo arme Menschen leben auch die Gemeindekirche nicht viel hat.

Die konsequenten Trennung von Staat und Kirche war die Reaktion des Staates, auf die Tatsache das sich die katholische Kirche bis 1857 fast die Hälfte des mexikanischen Staates einverleibt hatte. Sie war wie ein Staat im Staat, die sich der ordentlichen Gerichtsbarkeit entzog und die neben umfangreichen Ländereien das gesamte Bildungswesen unter Kontrolle hatte.
Diese starke Position im Staate läßt sich bis auf die Conquista (Eroberung) Mexikos zurückführen. Als die damaligen Päpste, die Eroberung und Unterwerfung der Völker Amerikas unter der Bedingung der Christianisierung willigte. So vielen, legalisiert durch die katholischen Kirche Horden von Gold- und Machtgierigen Conquistatoren in Land. Die unter den Deckmantel der Christianisierung, folterten und mordeten, daß jedes Menschenopfer der Azteken in den Schatten stellte.
Die Conquista bekamen sogar noch erhebliche Unterstützung von den Inquisitoren, die jeden "Ungläubigen" verfolgten und auf die Scheiterhaufen zerrten. Zur ersten öffentlichen Verbrennung eines Menschen kam es 1535, als der Inquisitor Zumárraga den Enkel des Aztekenkaisers Netzahualcóyotl auf den Scheiterhaufen brachte, weil er sich weder zum katholischen Glauben, noch den Conquista unterwerfen wollte.

Zu einer späteren Verbrennung gibt es folgende Anekdote:
Der Kazike Hatuay wurde vor seiner Verbrennung gefragt, ob er sich taufen lassen wolle, um wenigstens in den Himmel zu kommen. Er fragte zurück, ob denn auch Christen in den Himmel kämen. Dies wurde bejaht. "Sogleich und ohne weiteres Bedenken erwiderte der Kazike, dort wolle er nicht hin, sondern lieber in die Hölle, damit er nur dergleichen grausame Leute nicht mehr sehen, noch da sich aufhalten dürfe, wo sie zugegen wären." (taz, 21.2.87)

Laut einem Artikel der Südwestpresse von Mai 1992, wurde in den ersten 50 Jahren nach der Entdeckung Amerikas durch die katholischen Spanier bereits eine Million Indianer im karibischen Raum ermordet, durch Zwangsarbeit zu Tode geschunden oder starben an Infektionen. Nach 150 Jahren waren in ganz Amerika 100 Millionen Menschen gestorben - über 90 Prozent der Bevölkerung. Die Spanier behandelten die Indianer schlimmer als Tiere und massakrierten sie auf grausamste Weise.
So erhängten sie z.B. "zur Ehre der Apostel und Jesu Christi", wie sie sagten, jeweils 13 Indianer über einem Feuer, so dass sie gleichzeitig erstickten und verbrannten. Sie trieben die Indianer in Fallgruben mit spitzen Pfählen, verstümmelten sie oder warfen Frauen, Männer und Kinder lebendig den Hunden vor. Der letzte Scheiterhaufen brannte sogar noch 1815 in Mexiko. Um so erstaunlicher ist es, mit welcher Hingebung und Glauben die Mexikaner heute an der katholischen Kirche hängen. Hierzu muß man aber sagen, daß sich in Mexiko ein "Glaube" entwickelt hat, der so manchen orthodoxen Kirchenoberhaupt nicht immer gefällt. Die indianischstämmige Bevölkerung Mexikos schaffte es eine Reihe von alten Riten und Gebräuche in die "neue Religion" ein zu bringen. Es entstand eine "christlich-indianische" Mischreligion in der Geister- und Aberglaube auch ihren Platz haben.

Besonders stark werden in Mexiko die Kirchenheiligen verehrt, allen voran die Jungfrau Maria in Gestalt der "Virgen de Guadalupe". Die sich wiederum, zu einer Nationalheiligen nicht nur von Mexiko, sondern von ganz Lateinamerika "hocharbeitete".
Trotzdem ist der höchste kirchliche Feiertag, ihr zu Ehren, der 12. Dezember kein gesetzlicher Feiertag.
Wer sich im Glauben der Azteken, Mayas und der anderen Indianerstämme auskennt, wird zudem feststellen, daß sich die Mexikaner, für jede "verlorene" alten Gottheit einen passenden Ersatz unter der christlichen Heiligen raussuchten.
So wurde die Jungfrau zu Anfang von den Indios noch mit "Tonantzín-Guadalupe" gerufen. Sinnigerweise hatte die Erdgöttin Tonantzín (auch Coatlicue genannt), einen heiligen Schrein auf dem gleichen Hügel Tepeyac, wo heute die Basilika de Guadalupe steht.

Wer spanisch versteht kann im spanischsprachigem Teil des Mexiko Forums folgendes nachlesen:
Religión México/Alemania
Wer eine Kirche, Adresse usw. in Mexiko sucht, kann sie u.a. im "Directorio" der
HP Arzobispado Mexico finden

Juden

Die ersten Juden, die den amerikanischen Kontinent betraten kamen in den Schiffen von Christoph Kolumbus. Auch in der Gefolgschaft von Herman Cortes befanden sich Juden. Unter den ersten Siedlern befanden sich viele Juden, die in der Kolonie "Nueva España" die Freiheit suchten, die sie unter den wachsenden Druck von intoleranten religiösen Fanatismus in Spanien nicht mehr fanden.
Doch schon bald, als die ersten Missionare nach Mexiko kamen, kam auch die Verfolgung von Andersgläubigen (Inquisition) ins Land. Wer sich nicht bekehren lassen wollte wurde gefoltert und anschließend öffentlich verbrannt. Allein im Jahre 1574 wurden 897 Juden in Mexiko öffentlich verbrannt. Nur wenige der ersten jüdischen Einwanderer konnten der Inquisition entgehen. Kleine Gruppen überlebten dadurch, daß sie äußerlich zum Christentum übertraten aber im Privaten ihren alten Glauben treu blieben. Diese Neuchristen wurden von den Spanier "marranos" genannt und auch oft so behandelt.

Erst im 19. Jahrhundert kam es wieder zu einer verstärkten Einwanderung von Juden aus dem Balkan, Russland und Syrien. Besonders viele Juden kamen in der Zeit der Regentschaft von Porfirio Díaz nach Mexico. Díaz wollte das Europäer das Land auf den neusten Stand der Entwicklung brachten und wollte aus der Hauptstadt ein Paris Lateinamerikas schaffen. Emigranten mit entsprechender Ausbildung und Kenntnisse wurden in jeder Hinsicht unterstützt und gefördert und so kamen viele Europäer ins Land, überwiegend aus Frankreich und darunter viele jüdischen Glaubens. So kam es, daß Anfang der 30-er Jahre in Mexiko etwa 20.000 Juden wieder lebten.
Die erste mexikanische Nationalbank "Banco Nacional de México" (BANAMEX) wurde von Juden gegründet, ebenso die noch heute existierende Kaufhauskette "Palacio de Hierro" und die nationale Eisenbahngesellschaft.
Dadurch, das die jüdischen Emigranten meist eine gute Ausbildung hatten, zog es sie überwiegend in die großen Städte. So kommt es, das auf dem Lande fast gar keine und in den Städten, wie Guadalajara, Monterrey und Mexiko Stadt sehr viele Juden leben.

Der Anteil der deutschsprachigen Juden, lag vor 1933 unter 100 Personen und stieg ab 1936, mit den eintreffenden der ersten Gruppen deutsch-jüdischer Emigranten auf 800 (1940) und kam 1942 auf 1600. Gemessen an den Aufnahmeziffern anderer lateinamerikanischer Staaten wie Argentinien, Brasilien oder auch Chile, die fünfstellige Zahlen aufweisen, war Mexikos Bereitschaft zur Aufnahme jüdischer Flüchtlinge sehr gering. Eine strenge Quotenregelung, die überdies auch in den schlimmsten Jahren der Massenemigration aus Europa nicht ausgeschöpft werden konnte, benachteiligte mitteleuropäische Einwanderer zugunsten der Südeuropäer.
Über 15.000 spanisch-republikanische Flüchtlinge fanden ab 1939 in Mexiko Aufnahme, während es im gleichen Zeitraum im Hafen von Veracruz immer wieder zu spektakulären Einreiseverweigerungen für unzureichend dokumentierte jüdische Passagiere der überfüllten Flüchtlingsschiffe kam.
Die restriktive Haltung der mexikanischen Behörden gegenüber den jüdischen Flüchtlingen beruhte dabei weniger auf dem - wie andernorts in Lateinamerika, so auch in Mexiko allgegenwärtigen Antisemitismus, als vielmehr auf ideologischen Konzepten einer mexikanischen Identitätssuche, die in Folge der bewegten Revolutionsjahre entwickelt worden waren. Als Kernstück der zu findenden Mexikanität definierten führende Intellektuelle seit den 20er Jahren den 'mestizaje', die Verschmelzung der europäischen und indianischen Rassen. Die Quotenregelung, die sich so sehr zum Nachteil der jüdischen Flüchtlinge auswirkte, folgte unmittelbar einer hiervon inspirierten, 1936 in Kraft getretenen demographischen Gesetzgebung, die verstärkt iberischen und lateinamerikanischen Einwanderern aufgrund der historisch-kulturell begründeten Assimilationsbereitschaft dieser Nationalitäten den Vorzug gab.
Trotzdem hat die jüdische Bevölkerung einen Maßgeblichen Anteil an der europäischen Entwicklung der Stadtbildes vieler mexikanischen Großstädte. Man braucht nur mit offenen Augen durch das historische Zentrum von Mexiko-Stadt zu gehen, um an Städte in Europa erinnert zu werden. Es gibt zahlreiche Gebäude mit wunderschönen Jugendstilelementen, die man auch an den Synagogen in einigen Stadtteilen von Mexiko Stadt wieder findet. So kann man Stadtführungen durch das Historische Zentrum machen die auf diesen Teil der mexikanischen Geschichte einen besonderen Augenmerk legt.
Laut dem "Comité Central de la Comunidad Judía de México" (CCCJM) leben heute ca. 40.000 Juden in Mexiko.



Muslime

Die Gemeinde der Muslime ist verschwindend klein aber hat wie die der Juden, schon ihre Wurzeln in der Zeit den Conquista. Man muß dazu wissen, daß Spanien viele Jahrhunderte lang von den Arabern besetzt war. Die besten Wissenschaftler, Gelehrten und Ärzte der damaligen Zeit waren Muslime. Ihre Religion war zur damaligen Zeit, weit fortschrittlicher und toleranter als die der katholischen Kirche.
So kam es, das schon im 16. Jahrhundert auch einige muslimische Gelehrten nach Mexiko gingen. So z.B. "Yusof bin Alabaz" der von Piraten verschleppt und als Sklave nach Mexiko verkauft wurde. Dort versuchte er von Veracruz aus, die Bevölkerung für seine Religion zu missionieren, was ihn erheblichen Ärger mit der Inquistation einbrachte
Die meisten Muslime leben heute in Mexiko Stadt und in Guadalajara. Auch gibt es eine kleine Gruppe, die versucht in Chiapas Indianer zum Islam zu bekehren.



Mennoniten

Im Jahre 1922 unterzeichnete die mexikanische Regierung einen Vertrag, der eine Gruppe von kanadischen Mennoniten ein Gebiet von 125.000 Hekta Nahe der Ortschaft "San Antonio de los Arenales" zusicherte.
Ebenso sicherte der mexikanische Staat ihn Religionsfreiheit, Befreiung vom Militärdienst und Bildungsfreiheit zu.
Dies geschah nicht ganz uneigennützig, den die Mennoniten galten als fleißige Bauern und das Gebiet das sie besiedelten, war karge trockene Steppe.
Die Hoffnungen, die in sie gesetzt wurden erfüllten sich, den mit viel Fleiß und landwirtschaftlichen Können verwandelten sie die Steppe in fruchtbares Ackerland.

Heute leben ca. 50.000 Mennoniten in Mexiko, überwiegend in Nordmexiko aber auch einige kleine Gemeinden in Tampico an der Golfküste. Man sieht heute auch oft im Monterrey und Mexiko-Stadt, wo sie ihre Landwirtschaftlichen Produkte verkaufen. Sie fallen nicht nur wegen ihrer Kleidung sondern auch wegen ihren blauen Augen und blonden Haaren auf, in die die Mexikaner meist so verliebt sind.
Neben Spanisch, sprechen sie noch heute ein "Plautdietsch" das eine Mischung aus Niederdeutscher und Ost-Preußischer Mundart ist.
Die Mennoniten leben noch heute strickt nach der Bibel. Sie taufen ihre Kinder erst mir 14 Jahren, wenn sie sich bewußt für die Taufe entscheiden können. Sie lehnen Gewalt und somit den Militärdienst ab. Es gibt bei ihnen keine Scheidung und auch keine Verhütung, was an der großen Zahl ihrer Kinder sichtbar ist. Ihre Kinder erziehen sie in eigenen Schulen, die vom mexikanischen Staat anerkannt werden.


Protestanten

Die kleineste Religionsgruppe nehmen die Prostestanten ein. Obwohl sich im Landesdurchschnitt nur 3,3% der Bevölkerung zu ihnen bekennen, ist ihr Anteil in den letzten 5 Jahren (u.a. in Chiapas) schon auf bis zu 10% gestiegen.
Hierbei handelt es sich aber nicht um Protestanten, wie es hier in Deutschland oder in den großen Städten in Mexiko gibt, sondern um protestantische "Sekten". Diese Sekten stammen meist aus Guatemala, wo sie schon einen Großteil der Indianischen Bevölkerung missioniert haben.